Trotzig blüht der kleine Eibisch gegen den kommenden Herbst an.
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Echter Eibisch – beruhigender Rachen-Putzer

Echter Eibisch (Althaea officinalis L.)

In unseren Breiten ist der Echte Eibisch (Althaea officinalis L.) in der Regel keine Wildpflanze. Meist ziert er als schöner Schmuck alte Bauerngärten. Wer aber um die heilenden Kräfte der Wurzeln weiss, freut sich im Sommer an den Blüten und am Wurzelwerk im Winter. Seine Wurzeln sind voller schleimbildender Stoffe. Diese eignen sich hervorragend zum Gurgeln oder auch als Tee, wenn der Rachen kratzt, die Stimme nicht mehr will, oder quälender trockener Husten das Atmen erschwert. Dann schlägt die Stunde der sogenannten Muzilaginosa. Das sind schleimbildende Zubereitungen auf Pflanzenbasis. Sie wirken dort, wo die natürliche Schutzfunktion der Schleimhäute aufgrund von Reizungen oder Erkrankungen eingeschränkt ist. Dabei legen sich die Schleimstoffe wie ein feiner Schutzfilm über die gereizte oder entzündete Schleimhaut.

Im Hals und im Bauch wirkt’s auch.

Landauf und landab sind die Eibisch-Wurzeln als bewährtes Hausmittel bei Heiserkeit, zur Milderung des Hustenreizes und als Unterstützung beim Abhusten bekannt. Ihre Wirkung ist in vielen Kräuterbüchern beschrieben und sie wurde bereits im Wendejahr 1989 durch die Kommission E bestätigt. Schleimhautreizungen des Magens verursachen die typischen Beschwerden: saures Aufstoßen, Blähungen, Übelkeit und ein erhöhtes Druckgefühl. Auch in diesem Falle können die Schleimstoffe der Eibisch-Wurzel zur Linderung der Beschwerden beitragen.

„Althaia heisst sie, weil sie viele Krankheiten heilt.“

Dioskurides; De Materia Medica

Zunächst eignen sich die Wurzeln des Echten Eibischs (Althaeae radix) als schleimlösendes Präparat zur symptomatischen Behandlung von Reizungen der Mundhöhle oder des Rachens und des damit verbundenen trockenen Hustens. Empfohlen wird die Herstellung eines sogenannten Mazerats. Im Gegensatz zum herkömmlichen Kräutertee werden die getrockneten Wurzelstückchen nicht mit kochendem Wasser übergossen. Lediglich in warmen Wasser (150 ml) werden 1,5 bis 3 Gramm getrockneter Wurzelstückchen angesetzt, bis sich Schleim bildet. Dieser Sud wird dann zum Gurgeln verwendet oder kann auch getrunken werden – idealerweise 3 mal täglich.

Flüssig oder fest, das ist hier die Frage.

Bei leichten Magen-Darm-Beschwerden, wenn bspw. die Magenschleimhaut gereizt ist, empfiehlt sich die Verwendung der Wurzeln vom Echten Eibisch (Althaea officinalis) als Teezubereitung. Auch hierbei empfiehlt sich die schonende Zubereitung ohne kochendes Wasser. Damit bleiben die schleimbildenden Stoffe erhalten und können direkt dort wirken, wo sie benötigt werden. 2 bis 5 Gramm der zerkleinerten Wurzel sollten ausreichen, wenn sie mit 150 ml warmen Wassers angesetzt werden. Über den Tag verteilt kann die gewonnene Flüssigkeit getrunken werden. Möglich ist auch die orale Aufnahme von pulverisierten Wurzelstückchen. Dabei sollte unbedingt auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden!

Die von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA/HMPC veröffentlichte Monografie können Sie hier unter diesem Link nachlesen Monografie Eibischwurzeln (Althaeae radix)

Nicht unbekannt sind Rezepturen, wobei aus den Wurzeln des Echten Eibisch sich Sirup herstellen lassen. Bitte beachten Sie, diese Rezepturen enthalten möglicherweise Zucker und/oder Alkohol. Für die o.g. Indikationen kann das hierbei sich unter Umständen kontraproduktiv auf den Heilungsprozess und die angestrebte Verbesserung der Symptome auswirken.

Nicht die Masse macht’s.

Viel hilft im Falle des Echten Eibisch nicht viel. Die Tagesdosierungen sollten bei Erwachsenen nicht 15 Gramm überschreiten. Bei Kindern sollte entsprechend vorsichtiger mit den recht harmlosen Wurzeln umgegangen werden. Die Tageshöchstdosis liegt hier bei 4,5 Gramm. Beim Ansatz eines sogenannten Mazerats empfiehlt sich die Verwendung von kaltem Wasser und die stufenweise Anwärmung der Flüssigkeit unter Umrühren.

Inhaltsstoffe:

Schleimstoffe, Flavonoide, Zimtsäurederivate

Wirkung:

reizmildernd, entzündungshemmend

Gegenanzeigen:

Für Kinder im Alter unter 6 Jahren sind die Zubereitungen von Echtem Eibisch nicht geeignet.

Sollten sich unter der Anwendung von Echtem-Eibisch-Zubereitungen die bereits vorhandenen Symptome verschlimmern, Atemnot, Fieber, oder eitriger Auswurf auftreten, konsultieren Sie bitte unbedingt einen Arzt!

Sie sollten nicht gleichzeitig Medikamente Zubereitungen vom Echten Eibisch einnehmen. Die Schleimstoffe verhindern die Absorption von Wirkstoffen anderer Arzneimittel. Bitte wahren Sie einen Abstand von 1 Stunde vor oder nach der Einnahme anderer Medikamente.

Blühender Eibisch im Kurpark der Kleinstadt Lüneburg.

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