Der gelbe Steinklee wächst an Feldrainen und Wegrändern. Seine Blätter wirken bei Ödemen in den Beinen aufgrund gestörten venösen Rückflusses.
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Gelber Steinklee – der Bruder Leichtfuss

Gelber Steinklee (Melilotus officinalis)

Gesammelt und getrocknet werden vom Gelben Steinklee die Blätter. Auch die Blüten und die frischen Zweige können genutzt werden. Die Blätter sind unpaarig an den langen Stengeln angeordnet und stellen drei gestielte Fiederblättchen dar. Auffällig sind die langen gelben Blütenschweife oftmals an Wiesen- oder Wegrändern. Übrigens sind wir nicht die einzigen, die am Gelben Steinklee interessiert sind. Bienen, Hummeln und andere Insekten finden den aromatischen Blütennektar prima und laben sich an ihm aus Leibeskräften. Ein weiterer Name für den Gelben Steinklee ist daher auch Honigklee. Kaum zu glauben, welch ein Potenzial im Gelben Steinklee steckt, wenn man leichten Fusses an ihm vorüberschreitet.

Ein natürliches Mittel gegen schwere Beine

Schwere schmerzhafte Beine sind oftmals der Ausdruck venöser Beschwerden in den unteren Extremitäten. Durch die Rückstauung des Blutes in den Venen kommt es häufig in der Folge zu Ödemen. Für die sogenannte Venenschwäche gibt es mehrere mögliche Ursachen. Besonders Frauen leiden unter dem anatomisch schwächer angelegten Bindehautgewebe, was auch die Beinvenen betreffen kann. Veränderungen der Blutzusammensetzung z.B. durch hormonelle Präparate kann zu Störungen beim Rücktransport venösen Blutes aus den Beinen führen. Eine weitere häufige Ursache sind unzureichend funktionierende Venenklappen, welche normalerweise verhindern, dass venöses Blut in die bereits entleerten Gefässe zurückfliesst. Bewegungsmangel oder einseitige Belastungen der Beine vermindern die Aktivität der Bein-, Fuss- und Unterschenkelmuskulatur. Die Aktivität dieser Muskeln ist beim Transport venösen Blutes aus den Beinen von entscheidender Bedeutung – man spricht auch von der „Muskelpumpe“. Verlangsamt sich der Blutfluss, kommt es zu Stauungen, die Wasseransammlungen (Ödeme), Entzündungen und eine dauerhafte Venen-Insuffizenz nach sich ziehen können.

Offensichtlich kommt es bei der Einnahme von Gelben Steinkleekraut zu einem wirkungsvollen Zusammenspiel aller Inhaltsstoffe. Die Wirkungszusammenhänge wurden bisher wissenschaftlich nicht abschliessend geklärt. Fest steht: Cumarin ist die Schlüsselsubstanz. Es ist eine aromatische Verbindung in Pflanzen, der wir den Wohlgeruch der Blüten und des Krautes verdanken. Zudem wird vermutet, dass Cumarin auch eine kapillarabdichtende Wirkung hat. Läsionen der kleinsten Blutgefässe werden behoben und somit auch das Versacken von Wasser im Gewebe verhindert. Obwohl Cumarin auch reichlich im wohlduftenden Waldmeister enthalten ist, wird die abdichtende Wirkung der Kapillargefässe nur beim Cumarin des Gelben Steinklees beschrieben. Mehr ist darüber zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht bekannt.

Melilotin (3,4-Dihydrocoumarin) ist ein Derivat des Inhaltsstoffes Cumarin und ein Vitamin-K-Antagonist. Das wichtige K-Vitamin wird über den Genuss grünen Gemüses in den Körper aufgenommen. Das Vitamin K leistet einen wichtigen Beitrag bei der Blutgerinnung. In der Leber ist es an der Produktion gerinnungsfördernder Enzyme beteiligt. Mit der Aufnahme des Melilotin wird die Wirkung des Vitamins K unterdrückt. Möglicherweise senkt die gerinnungshemmende Wirkung des Melilotin die Viskosität des Blutes, was den Blutdurchfluss in den Venen unter Umständen erleichtern kann. Daher sollte vor Anwendungen mit Gelben Steinkleekraut unbedingt ein Arzt konsultiert werden, um unerwünschte Interaktionen zwischen Medikamenten und dem Steinkraut zu verhindern!

Die o-Cumarsäuren haben die Eigenschaft unter bestimmten Bedingungen den Stoff Cumarin zu bilden. Das Kraut des Gelben Steinklees enthält das Cumarin selbst, Cumarinderivate und wandelbare Vorstufen des Cumarins die o-Cumarsäuren. Offenbar handelt es sich bei den Inhaltsstoffen des Gelben Steinkleekrautes nicht um chemisch stabile Verbindungen. Möglicherweise beeinflussen sich die Stoffe untereinander und lösen damit die für die Venen gewünschte Wirkung aus. Beschrieben wird bei der Gabe von Steinkleekraut-Präparaten ein hoher First-Pass-Effekt. Das heisst, ein hoher Anteil der wirksamen Substanzen werden bereits kurz nach der Aufnahme in der Leber verstoffwechselt. Daher ist zu beachten, dass Gelbes Steinkleekraut nicht für kurzfristige Anwendungen geeignet ist, sondern eher längerfristig. Wobei Anwendungen bei Durchblutungsstörungen, die länger als 2 Wochen beanspruchen, stets unter ärztlicher Kontrolle erfolgen sollten.

Die HMPC/EMA gelangte zu dem Schluss, dass die Präparate des Gelben Steinklees aufgrund ihrer langjährigen Anwendung zur Linderung von Beschwerden bei „schweren Beinen“ im Zusammenhang mit geringfügigen Durchblutungsstörungen oder zur Behandlung leichter Hautentzündungen eingesetzt werden können. Das entsprechende Dokument ist unter diesem Link einsehbar: Monografie Gelber Steinklee (Melilotus officinalis L., herba)

Linderung auch bei leichten Entzündungen der Haut

Bei der wissenschaftlichen Bewertung der Heilwirkung des Gelben Steinklees fiel auf, dass er offensichtlich entzündungshemmende Effekte und eine beschleunigte Wundheilung auf der Haut auslösen kann. Bei Entzündungen der Haut kommen in der Regel Pasten, Öle, Cremes oder Pflaster mit Extrakten des Gelben Steinklees äusserlich zur Anwendung. Sie werden auf die betroffenen Stellen aufgetragen oder angebracht. Die heilenden Effekte sind bestätigt. Leider fehlen in den bisherigen Studien die vergleichende Bewertungen mit anderen Heilmitteln. Hierbei gilt wie immer bei allen Heilkräutern – ausprobieren, ob der Körper das Heilmittel mag. Sollten die behandelten Entzündungen nicht innerhalb einer Woche zurückgehen oder sich verschlimmern, ist ärztlicher Rat erforderlich!

Tee, oder nicht Tee?

Die oberirdischen Pflanzenteile des Gelben Steinklees werden getrocknet und zu Pulver verarbeitet.

  • Für Tee – wird das getrocknete und zerkleinerte Kraut mit heissem Wasser übergossen. Da der Cumaringehalt in den Pflanzen sehr schwanken kann, wird in diesem Falle auf die Verwendung von Apothekenware verwiesen.
  • Für äussere Anwendungen – werden die getrockneten Pflanzenteile pulverisiert und mit Alkohol oder Rapsöl vermischt. Es entsteht ein flüssiges Extrakt, dass dann zu Pasten, Cremes oder Pflastern weiterverarbeitet werden kann. Etwa 40 g des Trockenpulvers werden mit ca. 150 ml Öl vermischt. Die Flasche ruht idealerweise in einem dunklen normal warmen Raum gut verschlossen. Nach 4-6 Wochen ist das Öl gebrauchsfertig. Zwischenzeitliches Schütteln der Flasche verbessert den Lösungsprozess.

Übrigens, die Verwendung der Blätter, Blüten und frischen Zweige deckt sich nicht mit alten Quellen. So berichtet „Das Circa Instans“ von der Verwendung der Früchte, die „Verstopfungen der Niere und der Blase“ entgegenwirken sollten und von deren blähungstreibender Wirkung man ausging. Offensichtlich fand der Honigklee auch als Küchengewürz und in Wein aufgekocht als Stärkungsmittel Verwendung.

Inhaltsstoffe:

Cumarin, Melilotin, Melilotosid, o-Cumarsäure, Flavonoide

Wirkung:

antiödematös, entzündungshemmend, lymphokinetisch, antiphlogistisch, antiexsudativ, gefässerweiternd,

Gegenanzeigen:

Die empfohlene maximale Tagesdosis Cumarin liegt aktuell bei 30 mg. Sie sollte nicht überschritten werden. Bitte fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!

Das Kraut des Gelben Steinklees ist nur zur Anwendung bei Erwachsenen geeignet.

Menschen, die bereits eine Erkrankung der Leber hatten oder aktuell darunter leiden, müssen unbedingt vor Einnahme von Präparaten des Gelben Steinklees einen Arzt dazu befragen!

Nicht empfohlen ist die Anwendung für Menschen, die blutverdünnende bzw. gerinnungshemmende Arzneimittel einnehmen. Hierbei ist die Konsultation eines Arztes erforderlich!

Schwangeren und Müttern während der Stillzeit wird die Einnahme von cumarinhaltigen Präparaten nicht empfohlen. Sie sollten zum Wohle des Kindes darauf verzichten!

Magen- und Darmbeschwerden, sowie allergische Reaktionen wurden unter der Einnahme von Gelben Steinklee Extrakten beobachtet. Über die Häufigkeit der zu erwartenden Nebenwirkung ist nichts bekannt.

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