Antidiabetische Wirkungen in der Ingwer-Familie?

Pleiotrope Effekte bei würzende Wurzeln aus Fernost

Von Zeit zu Zeit werden immer wieder pflanzliche Stoffe und Verbindungen kolportiert, die vermutlich bei Diabetes mellitus helfen könnten. Sämtliche Studien kommen immer wieder zu dem selben Schluss: eine effektive Insulinregulation gelingt mit pflanzlichen Wirkstoffen nicht. Durch die Änderung von Lebens- und Essgewohnheiten ist jedoch eine Verbesserung und Steigerung der Lebensqualität für die Betroffenen möglich. Und hier kommen die pflanzlichen Inhaltsstoffe ins Spiel.

Diabetes Mellitus ist eine chronische Stoffwechselstörung, die entweder auf dem absoluten Mangel an Insulin (Typ 1) oder auf einer unzureichenden Insulinresorbtion in den Zellen, oder einem Insulinmangel infolge unzureichender Insulinproduktion (Typ 2) basiert. Ohne Insulin können die Zellen des Körpers keinen Zucker und seine Spaltprodukte aufnehmen. Sie benötigen den Zucker als Energielieferanten. Als Auslöser für den Typ-2-Diabetes kommen Infektionen, Erkrankungen genetische Disposition und vor allem ein ungesunder Lebensstil in Frage. Mittlerweile gilt der Typ-2-Diabetes als Zivilisationskrankheit. Mit zunehmenden Wohlstand nehmen wir mehr Nahrung zu uns, als wir durch körperliche Aktivitäten verbrauchen. Dieses Nahrungsüberangebot zeigt sich nicht nur als Ausprägungen an Hüften und Bauch. Auch innerhalb des Körpers, an und in den Organen lagern sich die nichtverbrauchten Reserven ab. Die Folgen sind Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck ein überhöhter Blutzuckerspiegel – dem Diabetes Mellitus Typ2.

Der Zucker im Blut lässt sich nicht einfach auflösen oder ausschwemmen, auch nicht mit Hilfe von Pflanzenstoffen. Ab einer gewissen Schwelle wird Zucker über die Niere ausgeschieden, was aber wiederum die empfindlichen Nieren schädigen kann. Es geht also darum, inwiefern Pflanzen und Pflanzeninhaltsstoffe die Produktion von Insulin und dessen Aufnahme in den Zellen ankurbeln können.

Drei Kandidaten voller Hoffnung

In den fernöstlichen Medizinlehren sind Anwendungen mit Pflanzen aus der Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae) bei Typ-2-Diabetes bekannt. Die möglichen Potenziale im Bezug auf Diabetes-2-Therapien mit Ingwer (Zingiber officinale Roscoe), Kurkuma (Curcuma longa) und Galgant (Alpinia galanga) haben eine polnische Forschergruppe untersucht. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Zwar wirken die Wurzeln aller drei Kandidaten stoffwechselanregend. Hingegen lässt sich eine gezielte Verbesserung des Blutzuckerspiegels mit keinem der drei Ingwergewächse erzielen. Die besten antidiabetischen Effekte zeigen sich bei der Verwendung von Ingwer (Zingiber officinale) und Kurkuma (Curcuma longa). Wobei die Senkung des Nüchternblutzuckerspiegels sich mit keinem der drei Kandidaten bewirken lässt. Was dafür spricht, dass die antidiabetischen Effekte eng mit dem Verdauungsprozess in Verbindung stehen.

Wir alle kennen den Effekt. Bei scharfen und gut gewürzten Speisen setzt der Sättigungseffekt früher ein. Dementsprechend fallen bei vollem Genuss die Portionen kleiner aus. Hinzu kommt, dass die Wurzeln der Ingwergewächse sich vordringlich zum Würzen von Gemüsen eignen. Das spricht für eine fleischarme Ernährung, die zudem fettarm und leichter verdaulich ist. Dabei sind wir wieder bei den notwendigen Veränderungen des individuellen Lebensstils, die dem Entstehen und dem Fortschreiten eines Typ-2-Diabtes entgegenwirken.

Ingwer (Zingiber officinale Roscoe)

Es gibt Hinweise darauf, dass die Einnahme von Ingwerpräparaten die Insulinsensitivität verbessern und die Insulinsekretion steigern kann. Untersuchungen zeigen, dass die bioaktiven Verbindungen des Ingwers (Zingiber officinale Roscoe) entzündungshemmend wirken und pleiotrope Effekte auf die Glukosehomöostase und die Funktion der pankreatischen β-Zellen ausüben. Dazu zählen insbesondere die Gingerole, Shogaole und Paradole.

Ingwerwurzel ist ein wohlbekanntes Gewürz und Heilmittel.

Kurkuma (Curcuma longa L.)

Der gleichnamig Inhaltsstoff Curcumin zeigt in Untersuchungen positive Auswirkungen auf den Glukose- und Lipidstoffwechsel. Man nimmt an, dass die Hemmung der Aktivität von Verdauungsenzymen wie α-Amylase und α-Glucosidase die Glukoseaufnahme im Darm begrenzt. Auf diesem Weg wird der postprandiale Blutzuckeranstieg verlangsamt und vermindert. Offenbar verbessert Curcumin das Lipidprofil, indem es die Triglycerid-, Gesamtcholesterin-, LDL-Cholesterin- und VLDL-Cholesterin-Werte senkt und gleichzeitig die HDL-Cholesterin-Werte erhöht. Diese Mechanismen stehen im Zusammenhang mit der Hemmung der hepatischen Lipogenese, der Steigerung der Fettsäureoxidation und der Regulation der LDL-Rezeptorexpression.

Die typische intensive rötlich orange Farbe des Wurzelquerschnitts enttarnt den Kurkuma.

Grosser Galgant (Alpinia galanga)

Am wenigsten wissenschaftlich erforscht ist der Grosse Galgant (Alpinia galanga). Dementsprechend nüchtern fällt die Einschätzung zu seinen antidiabetischen Fähigkeiten aus. Vielversprechend sind die in ihm enthaltenen Phenylpropanoide. Vermutlich können sie die durch Modulation der Signalwege IRS-2/PI3K/Ak die glukoseabhängige Insulinsekretion der β-Zellen steigern und die Glukoseabsorbtion reduzieren.

Blass ud weisslich sind die Wurzeln des Galgant. Beissend scharf ist sein Geschmack. Dabei ist er ein Sensibelchen.
Quellen:

Kuzia, N.; Adamska, O.; Ksepka, N.; Wierzbicka, A.; Jóźwik, A. Antidiabetic and Anti-Inflammatory Potential of Zingiberaceae Plants in Dietary Supplement Interventions. Molecules 2026, 31, 311. https://doi.org/10.3390/molecules31020311

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