Gib dem Winter Contra!
Wie Ingwer bei Erkältungen helfen kann
Wer kennt sie nicht – die Symptome einer klassischen Erkältung?! Sie äussern sich typischerweise mit Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, Heiserkeit, nicht zu vergessen der Schnupfen und die triefende Nase. Rhinoviren sind häufig die Erreger. Wann, wie und wo man die sich einfängt, bleibt meistens unklar. Fakt ist, im Gegensatz zu ihren Opfern lieben sie nasses und kaltes Wetter, weil es für ihr Überleben optimal ist.
Die Eintrittspforten für Rhinoviren und andere erkältungsverursachende Erreger stellen die oberen Atemwege dar. Generell sind Mund, Hals, Nase, Rachen mit gut funktionierenden starken antiviralen Abwehrfunktionen ausgestattet. Eine Schwachstelle befindet sich jedoch in der Nase. Es sind die Nasenschleimhäute. Sinkende Temperaturen im Naseninnenraum beeinträchtigen die Funktionsfähigkeit des immunologischen Schutzschilds. Normalerweise werden TLR3-stimulierte extrazelluläre Vesikel in der Nasenschleimhaut gebildet. Deren Ausschüttung beim Erkennen von Viren löst eine Kette komplexer Immunantworten aus. Allerdings unter Kälteeinwirkung verringert sich zunächst die Sekretion extrazellulärer Vesikel und reduziert gleichzeitig deren antivirale Bindungsaffinität, dabei kommt es zu einer verminderten Übertragung von microRNA. Das Ergebnis ist dann meist Husten, Schnupfen, Heiserkeit.
Auslöser für die erkältungstypischen Symptome ist eine verzögerte Immunantwort des Körpers. Dringen Viren in den Körper ein, wird die sogenannten Interferon-Antwort ausgelöst. Das bewirkt eine Aktivierung antiviral wirkender Zytokine. Wird diese Reaktion gehemmt, oder fällt zu langsam aus, reagiert der Organismus mit übermäßiger Schleimproduktion, die den Husten verursacht, und die entzündungstypischen Reaktionen, wie Fieber hervorruft.
Forscher beobachteten, dass frischer Ingwer (Zingiber officinale) die Schleimhautzellen zur Sekretion von Interferon-β anregt, was durchaus seine Wirksamkeit bei grippalen Infekte erklären könnte. Immerhin erfreut sich der Ingwertee als Erkältungsmittel zunehmender Beliebtheit. Heissgetränke, wie Kräutertees, helfen oft bei der Linderung erkältungstypischer Symptome. Sie erwärmen beim Genuss die Schleimhäute der oberen Atemwege und befeuchten sie zugleich. Besonders begehrt sind Heissgetränke aus überbrühten frischen Ingwerstücken während der kühlen Jahreszeit. Den frisch geschnittenen Ingwerwurzeln sollte dabei stets der Vorrang eingeräumt werden. Nur frischer Ingwer enthält das wirksame Gingerol. Beim Trocknen wandelt es sich in Shogaol, das über keinerlei Fähigkeiten bei der Abwehr viraler Infekte verfügt.
„Frischer Ingwer war besonders wirksam, wenn er vor der Virusinfektion verabreicht wurde.“
Bei erkältungsbedingten Erkrankungen finden die Wurzeln des Ingwers (Zingiber officinale) traditionell in der ayurvedischen und chinesischen Kräutermedizin Verwendung. So verwundert es nicht, dass sich Wissenschaftler aus Taiwan mit den antiviralen Eigenschaften der Ingwerwurzeln beschäftigten. Sie vermuten, dass die Stimulation von IFN-β möglicherweise nicht vollständig den Hauptmechanismus der antiviralen Wirkung von frischem Ingwer erklärt. Ingwer besitzt entzündungshemmende Eigenschaften. Allein die Hemmung der Produktion von Prostaglandinen und von entzündungsfördernden Zytokinen begünstigen einen milderen Krankheitsverlauf. Den Wissenschaftlern gelang der Nachweis, dass die Einnahme von frischem Ingwer sowohl Grippe- als auch Rihno-Viren hemmt und gleichzeitig die sogenannte Wirtsimmunität stärkt, und auf diesem Wege die Viruselimination unterstützt. Ein Ergebnis aus ihrem Untersuchungen überraschte: Frischer Ingwer war besonders wirksam, wenn er vor der Virusinfektion verabreicht wurde. Das bestätigt alle, die bislang auf die vorbeugende Wirkung der scharfen Knollen des Ingwers (Zingiber officinale Roscoe) schwören.

Mehr über den Ingwer erfahren:
Quellen:
Jung San Chang, Kuo Chih Wang, Chia Feng Yeh, Den En Shieh, Lien Chai Chiang, (2012). Fresh ginger (Zingiber officinale) has anti-viral activity against human respiratory syncytial virus in human respiratory tract cell lines. Journal of ethnopharmacology. 145. 10.1016/j.jep.2012.10.043.
Wang et al., Rhinovirus triggers distinct host responses through differential engagement of epithelial innate immune signaling, Cell Press Blue (2025), https://doi.org/10.1016/j.cpblue.2025.100001
Dutta, A., Hsiao, S. H., Hung, C. Y., Chang, C. S., Lin, Y. C., Lin, C. Y., Chen, T. C., & Huang, C. T. (2023). Effect of [6]-gingerol on viral neuraminidase and hemagglutinin-specific T cell immunity in severe influenza. Phytomedicine Plus, 3(1), Article 100387. https://doi.org/10.1016/j.phyplu.2022.100387
Huang, Di et al. , Cold exposure impairs extracellular vesicle swarm–mediated nasal antiviral immunity, Journal of Allergy and Clinical Immunology, Volume 151, Issue 2, 509 – 525.e8
