Natürliche Tranquillizer?

Schlafender Putto im Schloss zu Schwerin.

Beruhigende, schlaffördernde, muskelentspannende Substanzen, die zur Reduzierung von Angst-, Erregungs- und Spannungszuständen eingesetzt werden, bezeichnet man als Tranquillizer.

Des Öfteren werde ich darauf angesprochen, ob ich nicht einen natürlichen Tranquillizer empfehlen könne? Spontan fallen mir die Klassiker aus der Heilpflanzenwelt ein. Bei der Melisse komme ich geradezu ins Schwärmen. Wiederum bei anderen Kräutern empfehle ich, ganz simpel sie einmal auszuprobieren. Es ist nicht ganz einfach, das passende Kraut zu finden. Die Reaktionen auf Heilkräuter können für jeden ganz unterschiedlich ausfallen. So wie wir Menschen verschieden sind, so unterschiedlich können die Beschwerden und die Ursachen dafür sein. Meist stelle ich fest, dass offenbar meine Antwort nicht das Gewünschte auf die Frage liefert.

Melisse im Beet

Melisse ist das Nerventonicum schlechthin. Wenn man es geschickt mit anderen Kräutern mischt, lässt sich die Wirkung noch steigern.

Individuell aber nicht individual.

Die Aufforderung zum Ausprobieren verschreckt viele Mitmenschen. Ich frage mich, welche Ursachen sich hinter diesem Befremden verbergen? Wird das Selbstaktivwerden als Belastung empfunden? Oder handelt es sich um eine Risikoaversion, die Menschen daran hindert, selbstbestimmt Verantwortung zu übernehmen, statt nach dem Universalrezept oder der „Ultimativen Lösung“ zu suchen?

Tagtäglich werden wir Zeugen gnadenloser Fantasien cleverer Zeitgenossen, die uns die Lösungen faktisch vor die Füsse kippen. Da werden Pflanzen und Kräuter mit Heilwirkungen ausgestattet, von denen der liebe Gott bei der Erschaffung der Erde noch nicht einmal träumte! Von diesen netten Ratschlägen werden wir selbst auf einigermassen berufenen Websites und in Foren überschüttet. Kräutertees werden zu Nahrungsergänzungsmitteln, um einer Abmahnung wegen zweifelhafter Deklarierung aus dem Weg zu gehen. Freuen wir uns über die zahllosen Wohlfühl-, Entspannungs- und Einschlaftees, die wir in bunten Packungen in den Supermarktregalen finden.

Feld mit Akelei und Mohnblumen

Gegen jedes Leiden ist in Gottes Garten ein Kraut gewachsen. Es stellt sich nur die Frage: welches?

Kaufen wir nicht am Ende die Ersparnis an Freude?

Wahrscheinlich ist es das selbe Phänomen wie mit den endlosen Kochshows im Fernsehen. Ich habe den Eindruck: Deutschland besteht nur noch aus Hobbyköchen und Feinschmeckern. Welch trügerischer Schluss! Beim wöchentlichen Einkauf schaue ich gerne in die gefüllten Körbe der anderen. Das überzeugt mich regelmässig vom Gegenteil. Überwiegend Convinience-Produkte (Fertigsaucen, Tiefkühlgerichte, Lebensmitteldosen) füllen die Körbe. Das bestätigen auch die Statistiken des Lebensmitteleinzelhandels, die seit Jahren einen ungebrochen stetigen Anstieg im Verbrauch von Fertiglebensmitteln verzeichnen. So landet dann die Packung mit „Apfelkuchen nach Omas Art“ im Einkaufskorb, statt den Kuchen nach Omas Original-Rezeptur zusammen zu rühren. Ja, Selbermachen ist mit ein wenig Mühe verbunden, aber am Ende gibt es immerhin ein Erfolgserlebnis!

Ganz ähnlich verhält es sich mit Heilpflanzen und Kräutern. Obwohl rund 80% der Bevölkerung nach eigenem Bekunden pflanzliche Heilpräparate bevorzugen würde, blieb der Anteil der tatsächlichen Verwender in den letzten 10 Jahren konstant bei knapp einem Viertel. Da ist offenbar der Griff zur Pillendose oder zur buntbedruckten Faltschachtel mit vollmundigem Produktversprechen einfacher, als sich auf die Welt der Kräuter und Pflanzen einzulassen.

Blühender Zweig Rosmarin

Die ätherischen Öle des Rosmarins können als Badezusatz bei nervösen Reizzuständen die Entspannung unterstützen.

Sanft muß es sein, aber knallen!

Verstehen kann ich eure Enttäuschung, wenn ihr aufgrund einer schwierigen Lebenssituation dringend eine Entlastung der Psyche benötigt, ihr aber hier kein geeignetes Mittel findet. Bei Wiesenwohl.de werdet ihr keine Empfehlungen für Pflanzen (auch keine Pilze, Rinden, Samen) mit psychoaktiven Wirkungen finden. Über das dafür notwendige Wissen und die Kompetenz verfügt man an dieser Stelle nicht. Hilfesuchende mit dringenden Anliegen wenden sich bitte unbedingt an einen Arzt!

Es stimmt, dass Pflanzen oftmals eine sanfte Heilwirkung entwickeln können. Das heisst noch lange nicht, dass sie frei von Nebenwirkungen sind. Selbst das wohlbekannte und erprobte Johanniskraut benötigt Tage und Wochen, um die stimmungsaufhellende Wirkung zu entfalten. Auch hier ist bei der Verwendung Vorsicht geboten. Die Haut wird sonnensensibilisiert und neigt schneller zum Sonnenbrand. Zudem kann es zu Unverträglichkeiten mit anderen Medikamenten kommen.

Johanniskraut am Wegesrand

Das Johanniskraut ist der klassische Stimmungsaufheller unter den wildwachsenden Kräutern. Trotz sanfter Wirkung ist es nicht nebenwirkungsfrei.

Einfach allein, das reicht nicht.

Alles muss sofort geschehen, Antworten müssen stets parat sein, und der Erfolg muss sich sofort zeigen. Wer schon einmal im Job mit seinem Chef darüber reden musste, weil er einfach in Ruhe nachgedacht hatte – also keine Zeichen hektischer Aktivität oder gesteigerten Outputs mit heisser Luft zeigte – , weiss wovon ich hier rede. Wir gestattten uns nicht mehr die Zeit für Nachdenken, Erholung, zum bewussten Abschalten. Wenn ich ein paar Tage ins Kloster gehe, werde ich gefragt zum Fasten? Nein, ich habe Normalgewicht. Das entspannende Yoga ist neuerdings mit Power-Yoga aufgewertet worden. Ich hätte es aber lieber ganz langsam. Ein abendlicher Spaziergang ist neuerdings Waldbaden. Wozu der ganze Lärm?!

Wieso müssen wir permanent unseren Mitmenschen mitteilen und zeigen, was wir machen, sie teilhaben lassen an unserem Gefühlsleben? Sind wir wirklich erst glücklich, wenn wir es auf Instagram oder Facebook ohne Smiley gepostet haben? Mir scheint ADHS ist nicht das Problem von Schulkindern, sondern kennzeichnet unseren alltäglichen Wahnsinn. Wir rennen immerzu den Hyperaktiven hinterher, ahmen sie nach, setzen uns ihrer Impulsivität aus, vernachlässigen unsere Aufmerksamkeit. Dabei sehnen wir uns vor allem nach ein wenig Ruhe!

Hafer im Feld

Dich sticht wohl der Hafer?! Das meint wohl eher das Gegenteil als die beruhigende Wirkung des Haferstrohs.

Da hilft nur eine Tasse Tee!

Vielleicht wird Kräuterteetrinken das nächste grosse Ding. Hoffentlich habt ihr dann schon das ausgefallenste Teehaferl und kennt die besten Rezepte. Bis dahin könnt ihr es auch ganz entspannt angehen lassen. Für alle, die der Kraft der Pflanzen und Kräuter nicht trauen. Allein das Ritual entspannt: fünf Minuten lang still sitzen, langsam den heissen Tee mit spitzen Lippen kalt pusten, und Schluck für Schluck geniessen.

Blühender Lavendel

Schon der Duft des Lavendels entspannt. Besonders beruhigend wirken die ätherischen Öle als Bad oder Tee.

  • Stimmungsaufhellend wirkt das Johanniskraut.
  • Blüte der Passionsblume
    Beruhigend wirkt die Passionsblume.
  • Blütenstände des Schlangenknöterichs
    Dem Schlangenknöterich wird eine beruhigende Wirkung nachgesagt.
  • Guter Schlaf mit der Würze des Hopfens.
  • Baldrianwurzeln schaffen Ruhe.
  • Stimmungsaufhellende Wirkungen schreibt man dem Borretsch zu.
Quellen:

https://www.geo.de/natur/oekologie/12201-bstr-heilpflanzen-zurueck-zur-natur

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/170891/umfrage/bevorzugung-schonender-medikamente-naturheilmittel/

https://events.gfk.com/fileadmin/user_upload/website_content/Landing_pages/Geomarketing/de/veranstaltungen/praxistag-cog-retail/Slot-1-Shopper-Trends-in_Deutschland.pdf

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