Fasten ohne Verzicht?

Primel in einem Steinbogen auf dem portugiesischem Jakobsweg.

Vierzig Tage vor Ostern mit Ende des karnevalistischen Treibens besinnen sich viele wieder des Fastens. Für die einen beginnt die Fastenzeit mit dem traditionellen Aschekreuz, für andere wiederum mit einem Kater. Wie bereits zum Jahreswechsel werden gute Vorsätze geschmiedet und die Erwartungen hoch gehängt. Manch einer will in dieser Zeit sein Gewicht reduzieren, andere etwas für die Gesundheit tun, oder auch endlich ungeliebte Lebensgewohnheiten ändern. Diese vierzig Tage sind vielen auch als Wüstentage bekannt: der Reduktion auf das Notwendigste und die Rückbesinnung auf das Wichtige. Wenn das alles so leicht wäre!

„Wer nicht hungert, kann gut vom Fasten predigen.“

altes deutsches Sprichwort

Um auf etwas verzichten zu können, muss es etwas Überflüssiges geben. Darüber lohnt es sich nachzudenken, bevor die selbstauferlegten Entbehrungen in Kauf genommen werden. Besonders Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen sollten im Voraus überdenken, ob das Fasten für sie wirklich von Nutzen sein wird.

Auf was kann ich verzichten?

Generell ist der Beginn der Fastenzeit ein guter Moment im Jahr mit alltäglichen Angewohnheiten zu brechen. Neues zu probieren, andere Wege zu versuchen. Das kann beispielsweise eine Ernährungsumstellung sein, Verzicht auf den Fernsehabend für Gespräche mit der Familie, eine Wegstrecke zu Fuß auf dem Arbeitsweg statt mit dem Auto, oder der Verzicht auf süße Getränke zugunsten von Kräutertees. 

Das innere Aufräumen

Diäten und auch intensives Fasten stellen eine Belastung für den Organismus dar. Im Vordergrund steht zwar das Aufräumen – das innere Putzen des Körpers. Aber der Körper bekommt nicht mehr in dem Masse Energie zugeführt, wie er das vorher gewohnt war. Durch Fastenkuren wird der Stoffwechsel zu einer Umstellung gezwungen, bevor er sich an die reduzierte Nahrungsaufnahme gewöhnt hat. Manch einer berichtet neben dem Hunger von Hochgefühlen, die sich dabei einstellen. Im ersten Schritt greift der Körper die eigenen Energiereserven an. Die dabei entstehenden Stoffwechselprodukte können zu einer Beeinträchtigung des Wohlbefindens führen. Deshalb ist es notwendig, während der Fastenkuren für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu sorgen und den Abbau der Stoffwechselprodukte zu beschleunigen. Gerne werden sie fälschlicherweise auch als Schlacken bezeichnet. Bestens geeignet sind dafür Kräutertees. Sie wirken basisch.

Rezept für einen frischen Brennnesseltee:

  • 2 EL Brennnesselblätter (frisch oder getrockenet)
  • 1 Stäbchen getrocknete Süssholzwurzel (ca. 3-4 cm)

Brennnesselblätter mit dem Süssholz in ein Teesäckchen geben. Mit 1/2 Liter kochendem Wasser übergiessen. Nach 10-12 Minuten Ziehzeit kann der Tee heiss oder kalt über den Tag verteilt getrunken werden.

Die Brennnessel ist ein echtes Fastenkraut. Nicht nur, dass sie zur Demut beim Pflücken zwingt. Sie ist faktisch eines der ersten Frühlingsgemüse und besitzt neben den Vitaminen weitere begehrenswerte Eigenschaften. Brennnesselspinat ist zwar am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, aber erfahrene Köchinnen und Köche können den herben Blättern Geschmack abgewinnen. Ihre harntreibende Wirkung hat meist eine beträchtliche Aktivierung der Nieren, Blase und Harnwege zur Folge. Ein schöner Nebeneffekt kann die damit einhergehende Klärung des Hautbildes sein. Eine Tee-Kur mit Brennnesseln hat schon oft bei unreiner Haut Verbesserungen bewirkt. Die Süssholzwurzel gibt dem Tee einen guten Geschmack und ist freundlich zum Magen.

Reichtum durch Verzicht?

Unser heutiges Verständnis vom Fasten ist zum großen Teil von ideellen, moralischen oder religiösen Mustern berührt und überdeckt. In vergangenen Zeiten hatte das Fasten allerdings rein praktische Gründe. Mit den Einschränkungen beim Verbrauch von Lebensmitteln durch die eingelegten Fastentage wurde oftmals vor allem in ländlichen Gegenden die notleidende Winterzeit überbrückt. Dennoch lohnt sich der Blick auf die vierzig Wüstentage. In den biblischen Überlieferungen sind Wüsten Fluchtorte, Platz für alles Belastende, Rückzugsorte. Die Ergebnisse aller Wüstenerfahrungen sind trotz der Entbehrungen und Einsamkeit: Klarheit, Erkenntnis, Gewissheit. Manchmal lohnt es sich, in die Wüste aufzubrechen. Nicht immer muss es die große Reise sein. Manchmal ist es der kraftgebenede Lieblingsplatz, den man lange nicht aufgesucht hat. Auch tief in unserem Innern lässt sich dieser Platz finden – vielleicht auch während der besagten vierzig Tage vor Ostern.

Heilung durch Fasten?

Vielfach wird die heilende Wirkung des Fastens propagiert. Erfahrungen und Ratschläge können hier aufgrund mangelnder persönlicher Erfahrungen hier nicht vermittelt werden. Einen schönen Film-Beitrag mit wertvollen Einblicken hat Arte im Programm.

Rezept für einen Gänseblümchen-Kinder-Tee:

  • 1 Handvoll frischgepflückte Gänseblümchenköpfchen
  • 5 Blätter frische Melisse

Die Gänseblümchen zusammen mit den Melissenblättern in eine Kanne geben. Mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergiessen. Nach 10-12 Minuten ist der Tee fertig. Durch ein Sieb abgiessen.

Ein besonderer Spass für Kinder im Frühling ist der Gänseblümchentee. Die ersten Blütenköpfchen sind mancherorts schon auf den Wiesen zu entdecken. Mit dem gemeinsamen Sammeln lässt sich für die Kinder ein schönes und erinnerungswürdiges Ereignis kreieren. Die frische Melisse lässt sich einfach im Supermarkt organisieren. Später, wenn die Nächte frostfrei sind, kann das Melissentöpfchen seinen Platz auf dem Balkon oder der Veranda finden. Ihre Wirkung ist spannungslösend und belebend. Schon beim Giessen.